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Kunsthistorische Fachtagung
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Der grenzübergreifenden Erforschung des kulturellen Erbes der historischen deutschen Ost- und Siedungsgebiete, hier insbesondere der Bildenden Kunst und der verbliebenen Kunstdenkmäler, widmen sich die Kunsthistorischen Fachtagungen der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen.
Nachdem die drei letzten international besetzten Tagungen in Stralsund 1998, Marienburg/ Malbork 1999 und Stralsund 2002 verschiedenen Aspekten der Backsteinarchitektur des Ostseeraums gewidmet waren, soll diesmal die Entwicklung der kunsthistorischen Forschung und der wissenschaftlichen Denkmalpflege im historischen deutschen Osten im Mittelpunkt der Betrachtung stehen - dies vornehmlich anhand von Leben und Wirken namhafter Vertreter des Fachs.
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Kunsthistoriker 15.
- 17. Juni 2004 Wissenschaftliche
Leitung und Planung: Redaktion: Dr. Ernst Gierlich, Bonn |
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Noch immer ist die östliche Fensternische der Marienburger Schlosskirche leer. Eine hell verputzte Wand erscheint dort, wo über Jahrhunderte hinweg die kolossale, mit farbigem Mosaik bekleidete Figur der Gottesmutter weithin vom sakralen und weltlichen Rang des Hochmeistersitzes des Deutschen Ordens kündete. Reste der in der Endphase des Zweiten Weltkriegs zerschossenen Skulptur, die sich in den Kellern des Schlosses erhalten hatten, fanden erst ab den 1980er Jahren wieder Beachtung. Ob man die Figur jemals wiederherstellen wird, ist nicht nur von den technischen oder finanziellen Möglichkeiten abhängig, sondern auch von grundsätzlichen Erwägungen über den Umgang mit überkommenen Denkmälern. |
| Kriegszerstörungen an Bau-
und Kunstdenkmälern wie die genannte gingen weit über das
Fassungsvermögen der Kunsthistoriker und Denkmalpfleger des 19. und
frühen 20. Jahrhunderts hinaus. Deren Konzepte waren in der Folge
nurmehr bedingt tragfähig. In ganz Europa sah man sich gezwungen,
Vorgehensweisen entwickeln, deren Bogen sich von der vollständigen
Beseitigung der Ruinen über die Übernahme alter Grundstrukturen bis
hin zur detailgenauen Wiederherstellung spannte. Für die deutschen Ost-
und Siedlungsgebiete kam als Sonderfall hinzu, dass nach der
weitgehenden Vertreibung der angestammten Bevölkerung dort Menschen
angesiedelt wurden, die keinen Bezug zu den Denkmälern an ihren neuen
Wohnorten hatten, deren Aufbauarbeit zudem von den materiellen und
geistigen Zwängen des kommunistischen Systems bestimmt wurde und denen
oft nur allmählich eine positive Bewertung des Vorgefundenen gelang.
Kunsthistorikern und Denkmalpflegern des deutschen Ostens, die in der
Bundesrepublik oder der DDR weiterwirkten, war eine Beschäftigung mit
den Bau- und Kunstdenkmälern ihrer Heimat angesichts der politischen
Grenzen und/oder ideologischen Beschränkungen über Jahrzehnte hinweg
kaum möglich, ihren Nachfolgern galt sie meist als inopportun. Heute
indes bemühen sich neue Generationen von Kunsthistorikern und
Denkmalpflegern um eine internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf
den Osten. |
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Etwa 50 deutsche und polnische Kunsthistoriker und Denkmalpfleger fanden so im Juni 2004 auf Einladung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zu einer Fachtagung zusammen, und zwar im malerisch im Tal der Neiße südlich von Görlitz gelegenen Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal. Vornehmlich anhand der Biographien einiger ihrer bedeutenden, aus Ostpreußen, Pommern, Danzig oder Schlesien stammenden bzw. dort arbeitenden Vorgänger betrachtete man die Entwicklung kunsthistorischer und denkmalpflegerischer Konzeptionen.. |
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| Dass mit dem auf Rügen
geborenen Ernst Moritz Arndt (1769-1860) und mit dem aus Stettin
stammenden Franz Kugler (1808-1858) Ostdeutsche zu den wesentlichen
Begründern des Fachs Kunstgeschichte in Deutschland gezählt werden
können, machte Prof. Dr. Dr. Gerhard Eimer, Kopenhagen, der die Tagung
angeregt hatte, in seinem Einführungsreferat deutlich. Arndt bemühte
sich demnach in den 1780er und 90er Jahren darum, Kunstgeschichte als
selbständiges Fach an der Greifswalder Universität zu etablieren.
Freilich war ihm zunächst kein Erfolg beschieden, blieb doch die
Resonanz auf seine Lehrangebote unter den Studierenden aus. Die
Begründung der Kunstgeschichte als selbstständige universitäre
Disziplin erfolgte erst durch Franz Kugler, 1835 Professor an der
Berliner Akademie der Künste, obwohl dieser ebenso wie Arndt sein
Hauptbetätigungsfeld noch in der Geschichtsschreibung sah. Nicht nur
als Verfasser eines „Handbuchs der Kunstgeschichte“ wirkte Kugler
bahnbrechend, sondern auch durch seine Hinwendung zur regionalen,
konkret der pommerschen Kunstgeschichte.
Wirkten Arndt und Kugler richtungsweisend
für die deutsche Kunstgeschichtsforschung, so gilt dies, wie Prof. Dr.
Christofer Herrmann, Allenstein/ Olsztyn ausführte, auf dem Gebiet der
modernen Bauforschung und Denkmalpflege für Ferdinand von Quast
(1807-1877), geboren auf Gut Radersleben bei Neuruppin. Mit seiner
Bestellung zum ersten beamteten Konservators der Kunstdenkmäler im
Jahre 1843 tat Preußische Staat einen wichtigen Schritt zur Entwicklung
des Denkmalpflegewesens in Deutschland. Etwa 700 Restaurierungsprojekte
betreute von Quast in den preußischen Provinzen vom Rheinland bis nach
Ostpreußen, hinzu kamen umfangreiche Inventarisierungsmaßnahmen –
dies freilich unter kärglichsten Bedingungen bewältigend. Unter von
Quasts Publikationen sind insbesondere zu erwähnen die „Denkmale der
Baukunst Preußens“, die freilich nicht über drei Bände zum Ermland
hinaus gelangten. Es war ihm, der stets für einen behutsame, die
originale Bausubstanz schonenden Umgang mit den Baudenkmälern
plädierte, nur selten vergönnt, hierin von seinen Zeitgenossen
verstanden zu werden. |
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Massive Eingriffe in die überkommene Bausubstanz im Sinne der Wiederherstellung des als maßgeblich empfundenen mittelalterlichen Zustands scheute Conrad Steinbrecht nicht, der von 1885 bis 1922 als Konservator an der Marienburg tätig war und der die Gestalt der wiedererstehenden „Krone Preußens“ in wesentlichem Maße bestimmte. Auch wenn Steinbrecht, wie Dr. Kazimierz Pospieszny, Marienburg/ Malbork, ausführte, auf die Wünsche des kaiserlichen Auftraggebers einging, ist eine einseitig negative Beurteilung seines Wirkens als durch Historismus und Nationalismus der wilhelminischen Epoche geprägt nicht aufrecht zu erhalten. Immerhin gründete Steinbrecht, der sich kaum auf vergleichbare denkmalpflegerische Maßnahmen beziehen konnte, seine Rekonstruktionsmaßnahmen auf detaillierten Bauuntersuchungen, nicht zuletzt auf intensiver Auswertung der erhaltenen Schrift- und Bildquellen, und wirkte damit wegweisend. |
| Bernhard
Schmid, ab 1922 Steinbrechts Nachfolger als Marienburger Konservator und
vormaliger Mitarbeiter, zu dem Artur Dobry, Marienburg/ Malbork,
referierte, führte die Wiederherstellungsarbeiten fort, setzte indes
eigene Akzente, in dem er Planungen seines Vorgängers revidierte und
dabei den baulichen Veränderungen der nachmittelalterlichen Zeit
größeren Respekt zollte. Schmidt schenkte der Wiederherstellung der
Gräben und Mauern im südlichen Teil der Burg sowie der Wehranlagen im
Bereich der Vorburg seine besondere Aufmerksamkeit, wie es in seinen
ebenfalls auf bauarchäologischen Befunden fußenden Maßnahmen
überhaupt weniger um die Schaffung eines repräsentativen Palastes,
sondern einer die Wehrhaftigkeit der Deutschen im Osten betonenden
Anlage ging – hiermit, ebenso wie Steinbrecht, den herrschenden
Vorstellungen seiner Zeit verhaftet. Zwischen
den Extremen einer weitgehenden Erhaltung des Vorgefundenen und der
Rekonstruktion eines „stilreinen“ Zustands bewegten sich die
Stellungnahmen der vier renommierten Architekten, unter ihnen des
Kölner Dombaumeisters Vinzenz Statz, die man in der zweiten Hälfte des
19. Jahrhunderts zur geplanten Restaurierung der Domkirche von Pelplin
befragte. Izabella Brzostowska, Schildeck/ Szyldak zeigte anhand dieser
Gutachten die damalige Organisation der Denkmalpflege in Westpreußen
auf. Die schließlich in den 1890er Jahren durchgeführten
Restaurierungsarbeiten spiegeln einen Kompromiss wider, der das in
Jahrhunderten Gewachsene respektierte, gleichwohl im zeitgenössischen
Sinn interpretierte und ergänzte. |
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Etwa 50 deutsche und polnische Kunsthistoriker und Denkmalpfleger fanden so im Juni 2004 auf Einladung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zu einer Fachtagung zusammen, und zwar im malerisch im Tal der Neiße südlich von Görlitz gelegenen Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal. Vornehmlich anhand der Biographien einiger ihrer bedeutenden, aus Ostpreußen, Pommern, Danzig oder Schlesien stammenden bzw. dort arbeitenden Vorgänger betrachtete man die Entwicklung kunsthistorischer und denkmalpflegerischer Konzeptionen.. |
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| „Konservieren,
nicht restaurieren!“ Das bekannte Motto Georg Dehios (1850-1932)
charakterisiert die grundsätzliche Abkehr von dem älteren
Denkmalpflegeverständnis, wie noch etwa Conrad Steinbrecht vertrat. Dr.
Ingrid Scheurmann, Bonn, stellte den in Reval geborenen Dehio als
umfassend denkenden und handelnden Gelehrten vor, dessen bis heute
fortgeschriebenes „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler“ sich
nicht nur an Fachkollegen, sondern auch an die breitere Öffentlichkeit
wendet. Es ist Dehios wesentliches Verdienst, die historisch-kritische
Methode in die Kunstgeschichte eingeführt zu haben. Für ihn galt das
Baudenkmal, wie jedes andere Kunstwerk, als historische Quelle, deren
Singularität durch irgendwelchen Idealvorstellungen entsprechende
Veränderungen nicht verfälscht und damit zerstört werden dürfe. Dass
heute immer noch um sein „Konservieren, nicht restaurieren!“
gestritten wird, belegt die einzigartige Stellung des „Gründervaters
der modernen Denkmalpflege“.
Einen
Überblick über Entwicklung die schlesische
Kunstgeschichtsforschung bot Prof. Dr. Marian Kutzner, Posen/ Poznań.
Ihm zufolge mangelt es bis heute
an großen Gesamtdarstellungen. Eine letzter Versuch hierzu von Dagobert
Frey aus dem Jahre 1936 geht von einer künstlerischen Eigenständigkeit
der deutschen Ostprovinzen und damit auch Schlesiens aus, die sich aus
dem Stammescharakter der dortigen Bevölkerung erkläre, ebenso von
einer Ausstrahlung dieser Kunst auf kulturell rückständigere
Nachbargebiete – Deutungsweisen, die auf von Berliner Historikern in
der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten Mustern beruhten. Eine
zutreffende Typisierung des Kunstschaffens der Region gelang indes auch
den polnischen Kunsthistorikern nach dem Zweiten Weltkrieg nicht.
Kutzner plädierte daher für eine Beschäftigung mit der Kunst und
Kultur Schlesiens als des Ausdrucks einer spezifischen Mentalität,
gemäß der Methodik der französischen Schule eines Georges Duby. Bereits
in Prof. Kutzners Beitrag klang des Thema der „Ostforschung“ an, die
in den 1930er und 40er Jahren den Beitrag der Deutschen zu Kultur und
Geschichte im östlichen Europa unter der Prämisse der Dominanz und der
einseitigen Einflussnahme untersuchte. Als ihr wichtigster Repräsentant
im Bereich der Kunstgeschichte kann Dagobert Frey (1883-1962) gelten, ab
1931 Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Breslau. Über
sein Wirken gab ein Referat von Dr. Beate Störtkuhl, Oldenburg,
Auskunft. Freys wissenschaftliches Interesse am östlichen Europa paarte
sich demnach mit politischem Opportunismus. Seine Studienfahrten in das
besetzte Polen ab 1939 hatten Fotoserien über „Deutsche Kunst im
ehemaligen Polen“ zur Folge, die man als Grundlage für die
systematische Plünderung polnischer Kunstschätze verwendete. Die
Kunstgeschichte wurde damit zur Sanktionierung der
nationalsozialistischen Expansionspolitik missbraucht. Auch der
aus dem schlesischen Hirschberg stammende Günter Grundmann (1892-1976)
stand in seiner Zeit als Provinzialkonservator in Breslau ab 1932 der
„Ostforschung“ nahe und er arbeitete eng mit Dagobert Frey zusammen.
Prof. Friedhelm Grundmann, Hamburg, wies in seinem Vortrag über das
Leben und Wirken seines Vaters vor allem auf die große Spannweite hin,
die sich zwischen den beiden Arbeitsfeldern Grundmanns vor und nach 1945
auftat und völlig unterschiedliche denkmalpflegerische Konzepte
erforderte: Schlesien als Landschaft mit reichem, bis ins Mittelalter
zurückreichendem sakralem und profanem Denkmälerbestand, und Hamburg
als Hansestadt, deren vor allem aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert
stammenden Bauten im Krieg schwere Zerstörungen erfahren hatten. War in
Schlesien gemäß der reinen Lehre eines Georg Dehio vor allem
Konservierung erforderlich gewesen, so erwiesen sich in Hamburg
Wiederaufbau, Rekonstruktion und Ergänzung als unvermeidlich. Auch in einem zweiten Fall berichtete der Sohn über das kunsthistorische und denkmalpflegerische Wirkens des Vaters, diesmal in Danzig. Prof. Dr. Wolfgang Drost, Siegen, stellte Willi Drost (1892-1964) vor, der, obgleich Ästhet und Humanist, in den Bannkreis des Nationalsozialismus geriet. In seinen Funktionen als Danziger Denkmalpfleger und Leiter des Stadt- und Provinzial- bzw. Gaumuseums unterstützte er die Parteiführung in ihrem Bestreben, Danzig als deutsches Kulturbollwerk herauszustellen. Im Bereich der Denkmalpflege vertrat Drost einen behutsamen, lediglich konservierenden Umgang mit den überkommenen Denkmälern. Noch kurz vor Kriegsende wurden die Aufzeichnungen über die von ihm geleitete Inventarisierung der Danziger Kunstdenkmäler nach Hamburg geschickt und konnten so später zur Grundlage für das fünfbändige Inventarwerk zu den Danziger Kirchen werden. Drost verstand es, seine zuvorderst auf die Lokalgeschichte ausgerichteten Tätigkeit mit den großen Entwicklungen der kunstgeschichtlichen Forschung wie dem Strukturalismus zu vereinen. Wenn das
1945 in massivster Weise zerstörte Danzig heute den Eindruck einer
intakten, mit zahlreichen Denkmälern der Vergangenheit bestückten
Stadt vermittelt, so ist dies nicht zuletzt auf die Aktivitäten von
Drosts polnischen Nachfolgern in der unmittelbaren Nachkriegszeit
zurückzuführen, die sich für eine Wiederherstellung des historischen
Charakters einsetzten. Wie Dr. Jacek Friedrich, Universität Danzig,
ausführte, versuchten die Behörden mit diesen Maßnahmen der
Bevölkerung ein Bewusstsein der Identität mit ihrem neuen Wohnort zu
vermitteln. Der Wiederaufbau bedeutete indes nicht die Rekonstruktion
des Zerstörten, vielmehr erfolgte er vereinfachend und unter den
Prämissen des als sozialistischen Wohnungsbaus. So wurde den neuen
Wohnblöcken meist lediglich den Einteilungen der vormaligen
Bürgerhäuser entsprechende Fassaden mit historischen Versatzstücken
vorgeblendet. Bei aller Kritik an den getroffenen Maßnahmen sind die
heutigen Danziger doch stolz auf das Geschaffene, kann somit das Ziel
einer Identitätsstiftung als erreicht gelten. Auf den Umgang mit den Kulturgütern im schlesischen Raum im 20. Jahrhundert lenkte Dr. Idis B. Hartmann, Oldenburg, den Blick. Dort, wie im übrigen deutschen Osten, bedeutete naturgemäß der Zweite Weltkrieg die entscheidende Zäsur, fielen nicht nur bedeutende Teile des Kulturguts der Zerstörung bzw. dem Raub anheim, sondern wurden auch Menschen und Landschaft durch die Vertreibung gewaltsam voneinander getrennt. Der Vorstellung, dass die Kulturgüter im wesentlichen Ausdruck der Lebenshaltungen und Vorstellungsweisen der Menschen seien, folgten die internationale Rechtsprechung und auch die Formulierung des die ostdeutsche Kulturpflege in der Bundesrepublik Deutschland regelnden § 96 BVFG. Erfreulicherweise wächst heute, so Hartmann, sowohl in Deutschland wie in Polen die Erkenntnis, dass eine Landschaft wie Schlesien nicht unter einseitig nationalen Vorzeichen zu bewerten sei, es sich um „Regionen doppelter Kultur“ handle, die ein Bemühen um die Bewahrung des „gemeinsamen kulturellen Erbes“ erfordere. Weniger
noch als ihre in der Bundesrepublik Deutschland wirkenden Kollegen boten
für vertriebene ostdeutsche Kunsthistoriker und Denkmalpfleger in der
DDR Möglichkeiten für eine Beschäftigung mit ihrer Heimat, dies, wie
Dr. Christine Kratzke, Leipzig, ausführte, aufgrund der ideologisch
motivierten Restriktionen, denen das Fach ausgesetzt war. Der Blick der
kunstgeschichtlichen Forschung musste demnach in der DDR ganz wesentlich
nach innen gerichtet bleiben, war doch eine Beschäftigung mit
außerhalb der Grenzen gelegenen Gegenständen starken
Einschränkungen unterworfen. Eine erste Übersicht über die Strukturen
der bislang noch völlig unerforschten Kunstgeschichte und Denkmalpflege
in der DDR, wie sie Kratzke auf der Grundlage der Auswertung von
Vorlesungsverzeichnissen, Studienplänen und wissenschaftlichen
Publikationen unternahm, gilt es indes anhand von Untersuchungen zur
alltäglichen Praxis mit konkretem Leben zu erfüllen. |
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Ausführliche Hinweise von Dr. Johanna Brade, Schlesisches Museum zu Görlitz, zur aktuellen Ausstellung ihres Hauses „Auf dem Weg zur Moderne. Die Breslauer Akademie 1900 bis 1932“ schlossen die Vorträge ab, denen eine Busexkursion ins unweit der Tagungsstätte gelegene Hirschberger Tal folgte. Tobias Weger, Kulturreferent am Schlesischen Museum zu Görlitz, leitete sachkundig die Fahrt, die mit Burg Boberröhrsdorf, Hirschberg und Bad Warmbrunn markante Stationen des Lebens und Wirkens von Günther Grundmann zum Ziel hatte und Lust auf eine erneute und vertiefende Begegnung mit dieser Landschaft vermittelte. |
| Ostdeutsche
Kunsthistoriker und Denkmalpfleger prägten, wie die Tagung ergab, über
zwei Jahrhunderte hinweg ihr Fach in all seinen Höhen und Tiefen
maßgeblich. Dass Kunsthistoriker und Denkmalpfleger in ihrer
Bezogenheit auf das wissenschaftliche Objekt fähig sind, über Grenzen
hinweg zusammen zu arbeiten, zeigt nicht nur der Blick auf ihr Leben und
Wirken, sondern auch, wie Prof. Dr. Dr. Gerhard Eimer in seinem
Schlusswort hervorhob, die international besetzte Tagung an der Neiße.
Es bietet sich heute mehr denn je die Chance, das Kulturerbe des Ostens
neu zu entdecken und durch die gemeinsame Beschäftigung mit ihm die
gewaltsame Trennung von Landschaft und Menschen, wie sie während der
Tagung beklagt wurde, zu überwinden. Auch für die Frage, ob eine
Wiederherstellung der Marienstatue in der östlichen Fensternische der
Marienburg möglich und sinnvoll ist, kann in diesem Geist eine Antwort
gefunden werden. |
Diese
Veranstaltung wurde gefördert vom
Sächsischen Staatsministerium des Innern,
der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
und dem Schlesischen Museum zu Görlitz